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05.11.2018

"Ganz Ohr sein"

Lars Hoppman stellte in der Lemgoer Stadtbibliothek die bewegenden Erinnerungen eines Dissidenten vor

Am 26. Oktober war der stellvertretende Geschäftsführer des Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) gemeinsam mit dem langjährigen Leiter der Stadtwerke, Dr. Attig, und Heike Busse vom Sozialen Mittagstisch Lemgo zu Gast bei der Lesereihe in der Stadtbibliothek "Ganz Ohr sein".

Unter der Moderation von Elisabeth Webel berichteten die drei Vorlesenden von ihren aktuellen Aufgaben bzw. ihrer Zeit im Unruhestand und erzählten, warum ihre mitgebrachten Texte für sie so wichtig und besonders sind und warum sie die Lektüre empfehlen.

So erfuhren die knapp 100 Besucher durch Lars Hoppmann von der Arbeit des Kommunalen Rechenzentrums und wie der „IT-Dienstleister im Hintergrund“ die Arbeit der Stadt Lemgo und weiterer Kommunen unterstützt. Dass das Thema Digitalisierung auch „Bücherwürmer“ interessiert, belegten die Fragen aus dem Publikum zu den Themen IT-Sicherheit und neue Datenschutz-Grundverordnung. „Datenschutz ist ein Bürgerrecht“, verdeutlichte Hoppmann und schlug so eine Brücke zu seinem Lektüretipp.

Hoppmann stellte das Buch „Karierte Wolken“ von Matthias Storck vor. Darin berichtet der evangelische Pfarrer eindringlich über seine Zeit in einem DDR-Gefängnis, bevor er von der Bundesrepublik freigekauft wurde. Als Theologiestudent hatte Storck Kontakte zu Dissidenten wie Wolf Biermann. Wegen seines Engagements gegen den Wehrkunde-Unterricht in der DDR wurde er unter dem Vorwurf der geplanten Republikflucht verhaftet und erlebte 14 Monate lang die bittere Realität eines Lebens als namenloser "Strafgefangener Achtundzwanzig". Aus seinen Aufzeichnungen spricht ein Mensch, der auch in den durch die Gitterstäbe eines Gefängnisses „karierten Wolken“ den Himmel sieht und so die Kraft gewinnt, unter unmenschlichen Bedingungen Mensch zu bleiben.

„Ich lernte Matthias Storck 1988 als Konfirmand in Kirchlengern kennen“, erläutert Hoppmann seinen persönlichen Bezug zu dem Buch. „Er hat mich als Mensch sehr beeindruckt. Sein Vorbild, für seine Überzeugungen einzustehen und sich für Menschlichkeit einzusetzen, auch gegen den Widerstand der Umgebung oder sogar des Staates halte ich in diesen Zeiten für wichtiger denn je. Sein Buch zeigt anschaulich, wie das Leben in einer Diktatur seine Bürger zerstört – die Opfer ebenso wie die Mitläufer und die Täter, und wie wichtig es daher ist, sich früh gegen alle totalitären Tendenzen zu stellen.“

Bestritten einen anregenden Abend bie "Ganz Ohr sein": (v.l.) Heike Busse (Sozialer Mittagstisch) Lars Hoppmann (KRZ), Elisabeth Webel, Moderatorin "Freunde und Förderer der Stadtbücherei"), Dr. Dieter Attig (Ehem. Leiter der Lemgoer Stadtwerke) und Axel Koch (Leiter der Stadtbücherei Lemgo). (Foto: Freunde und Förderer der Stadtbücherei Lemgo e.V.)