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07.09.2018

"Mobil abschleppen"

Komplette digitale Erfassung von Ordnungswidrigkeiten

[Quelle: Kommune21, 08/2018]

Die komplette Fallerfassung von Ordnungswidrigkeiten soll in Zukunft ausschließlich über mobile Endgeräte vorgenommen werden. Diese Vision hatte im Jahr 2007 die Firma Schelhorn, Hersteller des Fachverfahrens WiNOWiG. Gerade bei den Verkehrsüberwachenden vor Ort kam die neue Technik sehr gut an, da die ursprünglich eingesetzten unhandlichen Geräte – umgangssprachlich auch Knochen genannt – durch das Smartphone ersetzt werden konnten. Das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) hat als einer der ersten kommunalen IT-Dienstleister seinen Kunden diese innovative Lösung zur Verfügung gestellt.

Die Stadt Bad Salzuflen setzt WiNOWiG mobil seit Mitte des Jahres 2017 erfolgreich ein. Im Zuge der Produkteinführung entschied sich die Kommune, auch das WiNOWiG-Schleppmodul zu nutzen. Dieses Modul für die Abwicklung eines Abschleppvorgangs ist intuitiv bedienbar und führt anwenderfreundlich durch übersichtliche Eingabefelder. Über eine Liste oder anhand des Kennzeichens wird der vorher erfasste Fall aufgerufen, und die vorliegenden Daten werden in das Abschleppmodul übernommen. Eine Doppelerfassung für das Abschleppverfahren ist somit nicht notwendig. Die Außendienstmitarbeiter können zu dem Fall ebenso einfach Beweis- und Zustandsfotos hinzufügen wie Notizen oder die Position vorhandener Schäden. Häufig benötigte Angaben, wie zum Beispiel der Name des Abschleppunternehmens, Art, Kennzeichen und Fahrer des Abschleppfahrzeugs oder Verbringungsorte, können voreingestellt und einfach aus Listen ausgewählt werden.

Nachdem die Verkehrsüberwachung das Abschleppunternehmen informiert hat, kann das Fahrzeug unverzüglich abgeschleppt werden. Die Übergabe an das Abschleppunternehmen wird über eine papierlose Unterschrift direkt auf dem Smartphone bestätigt. Gleichzeitig werden die Zeitangaben über die Anforderung des Abschleppunternehmens und die Abschleppung selbst in der App genau protokolliert und in Echtzeit an das Online-Portal WiNOWiG web übertragen. Bei Rückfragen der Betroffenen kann der Innendienst dann sofort alle Daten über das Kfz- Kennzeichen aufrufen und schnell und aktuell Auskunft erteilen.

Im Verbandsgebiet des krz kommt außerdem eine weitere Komponente von WiNOWiG mobil zum Einsatz: das Online-Knöllchen. Die schriftlichen Hinweise zum Tatverstoß (Knöllchen) weichen hierbei einem neutralen Verwarnungszettel mit auslesbarem QR-Code. Bei Parkverstößen geben die Mitarbeiter alle notwendigen Informationen zum Tatvorwurf in die Eingabemaske ein: Kfz-Kennzeichen, Verstoß, Datum, Ort und gegebenenfalls die Ventilstellung der Räder. Als letzter Arbeitsschritt wird der QR-Code des Verwarnungszettels eingescannt und mit dem Kennzeichen des Fahrzeugs verbunden.

Das Online-Knöllchen entlastet nicht nur die Außendienstmitarbeiter und spart Porto-, Druck und Papierkosten, sondern bietet vor allem Bürgerfreundlichkeit auf dem aktuellen Stand der Technik. Der Betroffene kann das Knöllchen entweder über den QR-Code mittels Bank-App bezahlen oder die aufgedruckten Zugangsdaten verwenden, um die Summe über ein Bezahlportal zu begleichen. Hier stehen Betroffenen zudem weitere Informationen über den Tatvorwurf zur Verfügung. Erfolgt keine Zahlung, erhält der Betroffene eine schriftliche Verwarnung/ Anhörung per Post.

Auch für die weitere Bearbeitung einer Ordnungswidrigkeit stellt das krz eine digitale Lösung zur Verfügung. So bietet nach mehreren Bußgeldstellen neuerdings auch die Stadt Detmold ihren Bürgern die Möglichkeit der Online-Anhörung. Die Empfänger erhalten dabei zusätzlich zu dem in ihrer Landessprache verfassten Anhörungsschreiben persönliche Zugangsdaten für eine Online- Anhörung. Hier können sie neben den Pflichtangaben zur Person und zum Führerschein Einspruch einlegen und Angaben zur Sache machen. Die Zahlung kann optional sofort über ein Online- Bezahlsystem – etwa GiroCode – ausgelöst werden. Nach erfolgter Eingabe erhalten die Betroffenen ein Protokoll. Die Daten werden mittels Webserver automatisch an die Bußgeldstelle übermittelt und mit dem Fachverfahren WiNOWiG zur Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten abgeglichen und weiterverarbeitet. Gleichzeitig entfallen so für die Verwaltung das Einscannen von Postrückläufern oder manuelle Eingaben. Damit trägt die Online-Anhörung ebenfalls zu deutlichen Einsparungen aufgrund verkürzter Durchlaufzeiten bei.

Die für die Anhörung erforderliche Online-Vorlage wurde vom krz in Zusammenarbeit mit der Bußgeldstelle der Stadt Detmold erstellt. Sie kann individuell aufgebaut und an die jeweiligen Bedarfe der Ordnungsbehörde angepasst werden. Die Online-Anhörung ist derzeit in 14 Landessprachen realisiert, um zum Beispiel auch Schweden und Niederländern eine schnelle Abwicklung ihres Falls zu ermöglichen. Mit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat das krz – als vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizierter Hoster des Online-Angebots – die Sicherheitsstandards der Anwendung an die aktuellen Richtlinien angepasst. Sämtliche Informationen werden per HTTPS/SSL sicher übertragen und verschlüsselt gespeichert. Denn gerade im Umgang mit sensiblen persönlichen Daten kann der Lemgoer IT-Dienstleister eine langjährige Erfahrung vorweisen, von der nun auch die Verkehrsraumüberwachung in Bad Salzuflen und die Stadt Detmold profitieren.

Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von Kommune21 veröffentlicht.

Kommune_21_08_2018_Mobil abschleppen (PDF, 262 kB)