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21.10.2021

Demografie in 3 Dimensionen

Geo-Daten-Infrastruktur ermöglicht Auswertungen für Hiddenhausen

Mit der Gemeinde Hiddenhausen verwendet seit dem Sommer 2021 ein weiterer Kunde die "Demografischen Analysen" in der Geo-Daten-Infrastruktur (GDI) des krz. Die Gemeinde Hiddenhausen hatte bereits 2004 eine demografische Analyse durchführen lassen. Das Ergebnis wurde damals als statischer Bericht ausgeliefert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Basis für erfolgreiche Förderprogramme wie “Jung kauft Alt“, die für den Zuzug junger Familien sorgen und einer Überalterung vorbeugen.

Immer aktuell

Statische Berichte sind schwierig zu aktualisieren und somit im digitalen Zeitalter nicht mehr zeitgemäß. Die Anwendung "Demografische Analysen" des krz macht die Auswertung interaktiv und flexibel und somit für eigene spontane Analysen verwendbar.

Die Basisdaten dafür stammen aus dem Melderegister der Gemeinde. Dort könnten die Daten auch statistisch ausgewertet werden, allerdings fehlt dann die "räumliche" Komponente und somit der Bezug zu anderen Planungs-Objekten. Um diese räumliche Auswertemöglichkeit zu schaffen, werden Teile der Einwohnerdaten in das Geo-Informations-System (GIS) überführt und dort um eine "Koordinate" ergänzt. Die Koordinate, bestehend aus Rechts- und Hochwert, ordnet jeder Person die zweidimensionale Position der Wohnadresse zu. Über diese Koordinate kann dann zusätzlich zu anderen Kriterien gefiltert werden.

Sinnvoller Standort für einen Kinderspielplatz

Ein Anwendungsbeispiel ist der Vergleich von potentiellen Standorten für einen Kinderspielplatz. Ein Klick in die Karte definiert den potentiellen Standort. Eine zusätzliche maximale Entfernung um den Standort herum, beispielsweise 500 Meter, macht aus dem Punkt eine Kreisfläche. Nun kann man über die Koordinate auswerten, wie viele Personen innerhalb dieser Kreisfläche wohnen. Mit einem zusätzlichen Filter auf das Alter, z.B. 2 bis 12 Jahre, filtert man die Personen auf die potentiellen Nutzer des Spielplatzes. Vergleicht man diese Zählung mit dem Ergebnis eines alternativen Standortes, bekommt man mit wenigen Mausklicks eine Aussage darüber, an welchem Standort mehr Kinder im unmittelbaren Umfeld wohnen. Varianten mit verschiedenen Entfernungen geben ein differenzierteres Bild.

Aussagekräftige Altersstruktur für Wohngebiete

Die Definition von "Wohnquartieren" als Auswertefläche liefert eine thematische Karte zur Altersstruktur. Kenngrößen wie "Altersdurchschnitt" oder "Altersquotient" (Mengenverhältnis zweier Altersgruppen) werden darin farblich dargestellt und helfen bei planerischen Entscheidungen. Weitere Altersgruppen-Analysen als relativer Anteil zielen auf Kinder und Jugendliche einerseits und auf Senioren andererseits. Für diese Gruppen sollen im Wohnumfeld Kita- und Grundschul-Plätze in passender Anzahl zur Verfügung stehen oder auch Nahversorger, Pflege-Stützpunkte oder Bushaltestellen.

Das "Wohnquartier" wird dabei als sozial und/oder architektonisch einheitliches Gebiet frei abgegrenzt. Die angestrebte Größe liegt unterhalb der eines Ortsteils, ist also detaillierter als nicht-räumliche Auswertungen auf Ortsteil-Basis. In einem zu großen Gebiet, wie einem kompletten Ortsteil, vermischen sich die Besonderheiten kleinerer Gebiete mit verschiedenen Vorzeichen zu einem Durchschnittswert, die problematischen Quartiere sind dann nicht mehr erkennbar. Auch auf eine Mindestgröße sollte geachtet werden um die für eine Statistik notwendige Menge an Personen nicht zu unterschreiten, sonst führen schon kleine Änderungen zur Anzeige von Abweichungen.

Dimension „Zeit“ verdeutlicht Tendenzen

Bei den Wohnquartier-Analysen kommt noch eine weitere Dimension hinzu. Die "Höhe" als klassische dritte Dimension ist nicht relevant und die "Zeit" - die vierte Dimension - rückt auf. Die Zeit-Dimension zeigt auf, wie sich die Alters-Struktur eines Quartiers in den letzten Jahren verändert hat. Nimmt die Überalterung eines Quartiers weiter zu oder ist sie bereits rückläufig? Über diese "Tendenz" können Aussagen gemacht werden, wenn die anonymisierten älteren Einwohnerdaten archiviert und ausgewertet werden. Die Anzeige erfolgt über die "Zeit-Dimension" des Kartendienstes WMS. Über die Auswahl des Jahrgangs in der Oberfläche wird eine Zeitreise in die Vergangenheit ermöglicht.

Flexible und vielfältige Auswertungsmöglichkeiten

Die Umringe der Wohnquartiere können direkt in der Oberfläche der Web-Anwendung auch nachträglich angepasst werden. Datenbank-Trigger sorgen dann dafür, dass die Kennwerte aus den Ausgangsdaten auch für historische Jahrgänge neu berechnet werden um die thematische Karte sofort zu aktualisieren.

Weitere Teile der Anwendung werten grafische Schulbezirke aus nach der Anzahl der in den nächsten Jahren einzuschulenden Kinder.

Wohnadressen werden auf Leerstand ausgewertet oder darauf analysiert ob dort nur noch ältere Personen wohnen.

Sind auch Wahlbezirke räumlich definiert, können darin die Einwohner oder Wahlberechtigten für einen Stichtag gezählt werden. Änderungen der Wahlbezirke im GIS helfen bei der Planung der Anpassungen, die letztlich aber im Melderegister durchgeführt werden.

Datenschutzrechlich abgesichert

Die Demografische Analyse ist so konzipiert, dass in der ersten Berechtigungs-Stufe nur statistische Mengen angezeigt werden, aber keine personenbezogenen Daten. Dies verringert die Hürde für die datenschutzrechtliche Zulassung der Nutzung.

Demografische Analyse: Das GDI verschafft in Hiddenhausen einen schnellen Überblick über das Durchschnittsalter der Anwohner.