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19.05.2021

Kommunen als Innovationstreiber

GAIA-X ermöglicht datenbasierte proaktive und serviceorientierte Verwaltung

Als Audit der digitalen Verwaltung versteht sich der diesjährige Kongress Digitaler Staat, der vom 10. – 12. Mai 2021 als online-Veranstaltung stattfand. Eine Bestandsaufnahme und Bewertung dessen, was diese Verwaltungsmodernisierung bisher erreicht hat sollte der Kongress des Behörden Spiegels ebenso liefern wie allgemeine Probleme oder Verbesserungspotenziale aufspüren.

Auch das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) hat sich an Analyse und Ausblick der Verwaltungsdigitalisierung beteiligt. krz-Geschäftsleiter Lars Hoppmann diskutierte in einem Fachforum am 11. Mai die Möglichkeiten und Herausforderungen, die das europäische IT-Infrastrukturprojekt GAIA-X bietet.

Unter dem Titel „GAIA-X – Die europäische Cloud Alternative“ beantworteten die Diskussionsteilnehmer Fragen zu Einsatzbereichen, Nutzen, Datenschutz, Akteuren und Zukunftsperspektiven des Projekts.

GAIA-X ist ein Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen, sicheren und vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa, das von Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung aus Deutschland und Frankreich, gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern getragen wird. Sechs der 22 Gründungsmitglieder kommen aus NRW.

GAIA-X kann Katalysator für eine offene, souveräne, die Daseinsvorsorge und das Gemeinwohl fördernde öffentliche IT-Infrastruktur sein, war das Fazit von Lars Hoppmann. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung von Kommunen und kommunalen IT-Dienstleistern als Gewährsträger der Digitalisierung auf der untersten Ebene des Föderalismus.
Mit GAIA-X kann eine sichere und souveräne „Amts-“ oder „Verwaltungs“-Cloud der öffentlichen Verwaltung entstehen, so Hoppmann. GAIA-X ist mehr als eine Cloud, sondern sie setzt Standards, in der on premise- und (multi)-cloud-Ansätze digital souverän miteinander vernetzt werden können. Als solche ist sie eine Basis für die Umsetzung des Once-Only-Prinzips.

Es geht darum, über eine souveräne und sichere Cloud ein data driven government zu ermöglichen. Eine solche datenbasierte, proaktive und serviceorientierte Verwaltung, die jenseits der bislang ausschließlich antragsbasierten Prozessen smarte Lösungen der Verwaltung, aber insbesondere auch in den Bereichen Energie, Mobilität, Handel, Umwelt, Geoinformationen etc. bietet, stellt die nächste große Herausforderung für die Kommunen nach der ersten Stufe der Digitalisierung im Rahmen der OZG-Umsetzung dar.

Dafür müssen Daten ebenen- und organisationsübergreifend zusammengeführt werden und zukunftsweisende Technologien wie IoT, Sensorik, Edge-Rechenzentren, 3D-Lösungen gebündelt werden. Ebenso muss die Verwaltung lernen, in Datenökonomie und Datenplattformen zu denken – ohne Gewinnorientierung und das Gemeinwohl fördernd.

Durch GAIA X wird eine "Amts"- oder „Verwaltungs“-Cloud organisierbar – auf Augenhöhe mit der Privatwirtschaft. Die Nutzung von gemeinsamen Dateninfrastrukturen ermöglicht und forciert die Interoperabilität aller Beteiligten; sie ist auch Bedingung für eine zwingend notwendige Exit-Strategie bei Cloud-Nutzung, die strikte Verbindung proprietärer Software an Infrastruktur-Komponenten gilt es insgesamt aufzulösen.

Zur Frage des Datenschutzes und der Datensicherheit wies Lars Hoppmann darauf hin, dass insbesondere im Bereich von offenen bzw. urbanen Daten ausschließlich die Bereitstellung von anonymisierten und pseudonomisierten Daten erfolgen darf. Diese Daten können durch eine breite Nutzungsmöglichkeit das Gemeinwohl (Bildung, Stadtentwicklung, Mobilität, etc.) fördern. Es sei wichtig, dass die Angst vor "big brother is watching you" diese Entwicklung nicht blockiert. Hier muss die Gewaltenteilung und Instanzenteilung klar definiert sein. Der Zugriff auf persönliche Daten darf nur freiwillig und/oder auf Basis einer eindeutigen Rechtsordnung geschehen. Als Datentreuhänder sollten, wie auch von der BITKOM empfohlen, (kommunale) öffentliche IT-Dienstleister fungieren, die auch jetzt schon Garant für Datensicherheit sind und hohes Vertrauen bei der Bevölkerung genießen.

Die Bedeutung der souveränen Infrastruktur muss dadurch verdeutlicht werden, dass "GAIA-X" ein Qualitätssiegel wird. GAIA-X „Stempel“ und „Zertifikate“ müssen ein unverzichtbares Markenzeichen und eine Qualitätsgarantie werden.
Für die Zukunft wünscht sich Lars Hoppmann, dass in den nächsten Jahren ein neues Verständnis und Miteinander aller Beteiligten geschaffen wird, insbesondere bei der Privatwirtschaft, den öffentlichen Verwaltungen, aber auch im Bereich Schule und Bildung. Die aktuell beworbenen GAIA-X Förderanträge unterstützen das Projekt entscheidend und schaffen „nicht nur Leuchttürme, sondern einen echten Sonnenaufgang“.

Lars Hoppmann (Foto: krz)