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25.01.2021

Betrieb öffentlicher Rechenzentren

Lars Hoppmann in Diskussionsrunde zu Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Krise

Die Pandemie hat auch die öffentlichen Rechenzentren vor große Herausforderungen gestellt, der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung aber auch einen enormen Schub gegeben. Dies war ein Ergebnis der digitalen Gesprächsrunde am 21. Januar 2021 unter dem Titel „Betrieb öffentlicher Rechenzentren – Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Krise“ im Rahmen des Formats „Digitaler Staat“ des Behörden Spiegels.

Moderiert von Dr. Eva-Charlotte Proll, Mitglied der Geschäftsführung des Behörden Spiegels, diskutierten Dr. Johann Bizer, Vorsitzender des Vorstands, und Vorstand Lösungen und Ressourcen der Dataport, Matthias Bongarth, Geschäftsführer des Landesbetriebs Daten und Information Rheinland-Pfalz, Hans-Josef Fischer, Betriebsleiter des Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), Lars Hoppmann, Geschäftsleiter des Kommunalen Rechenzentrums Minden-Ravensberg/Lippe (krz), Christian Leinert, Präsident der IT Baden-Württemberg (BITBW), sowie Dr. Markus Pleier, CTO & Sr. Director System Engineering Central Europe der Firma Nutanix darüber, wie die öffentlichen Rechenzentren und ihre Kunden auf die Krise reagiert haben, welche Schwierigkeiten und Lerneffekte daraus erwuchsen und welche Aspekte aus der Krise in die „Zeit danach“ gerettet werden sollten. Ein Fokus der Diskussionsrunde war dabei auch das Thema Skalierbarkeit: Wie lassen sich die Herausforderungen und Bereitstellung und erhöhtem Bedarf auch ohne Public Cloud meistern? Auch Fragen der Zuhörerschaft zum Thema Sicherheit oder dem demografischen Wandel wurden in der Diskussion aufgenommen.

Hohe Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterschaft und der Infrastruktur
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Herausforderung des ersten Lockdowns großen Einsatz bei den Mitarbeitenden sowohl in den Rechenzentrumsbetrieben wie auch in der öffentlichen Verwaltung hervorgebracht, und die Flexibilität bei Kunden verstärkt hat. Da die meisten Betriebe der Diskussionspartner bereits Homeoffice einsetzten, gelang es mit großem Engagement sehr schnell, dies auch für den Rest der öffentlichen Verwaltung zu ermöglichen. Der Lockdown habe die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur unter Beweis gestellt, so Lars Hoppmann, „wir haben gezeigt, dass wir skalieren können“, war ergänzend eine Aussage von Christian Leinert. Auch das große Engagement für die Sicherheit der öffentlichen Rechenzentren als Teil der KRITIS (kritischen Infrastruktur) habe sich bewährt.

Akzeptanz gewachsen
Gemeinsam wiesen die Gesprächsteilnehmer auf die zentrale Rolle der öffentlichen IT-Dienstleister hin. „Die IT ist Kernressource“, verdeutlichte Hans-Josef Fischer. IT-Sicherheit, Funktionalität, Datenschutz und digitale Souveränität seien die Gründe, warum der Staat seine Daten und Prozesse nicht der freien Wirtschaft überlasse.

Die Pandemie habe die Akzeptanz bei den Kunden für die IT-Dienstleister erhöht, und ein Umdenken bei allen Beteiligten bewirkt: nicht nur in Bezug auf die Bewertung von Homeoffice und der Eigenverantwortung von Mitarbeitern, sondern vor allem habe sich auch die Einstellung zur Verwaltungsdigitalisierung verändert.

Mehr als Technik
Auch der Faktor Mensch wurde nicht außer Acht gelassen. Lars Hoppmann plädierte dafür, den informellen Austausch unter Kollegen per „Flurfunk“ so bald wie möglich wieder zuzulassen und betonte, dass auch die Digitalisierungsbestrebungen in den Verwaltungen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden immer miteinbeziehen müsse. „Nur ein Technikangebot reicht nicht“, beschrieb er die Herangehensweise des krz mit seinem „Digi-Check“-Angebot. Darüber hinaus machte Johann Bizer deutlich, dass die Angebote des öffentlichen Dienstes für alle Bürger und nicht wie in der freien Wirtschaft nur für eine spezielle Zielgruppe attraktiv sein müssen.

Public Cloud und Skalierbarkeit
Zu der Frage der Einbeziehung von externen Anbietern betonte Lars Hoppmann, dass Skalierbarkeit sowohl über die Einbindung sinnvoller Komplementärdienste der Public Cloud als auch über Kooperationen zwischen öffentlichen Rechenzentren erreichbar sei, immer unter der Voraussetzung, dass überall die höchsten Sicherheitsstandards eingehalten werden und Echtdaten und Produktivdaten weiterhin ausschließlich in öffentlicher Hand verbleiben. Zudem verwies er darauf, dass der Arbeitsschwerpunkt der öffentlichen IT-Dienstleister zunehmend auf der Servicebereitstellung läge. „Unsere Virtualisierungsquote liegt bei 97%, und auch die Automatisierung ist weit fortgeschritten. Für unsere IT-Spezialisten gilt der Devise: vom IT-Administrator zum Service-Manager‘ “.

Ausblick: Innovationsschub nutzen
Die momentanen Herausforderungen bestehen laut der Rechenzentrumsleiter nun darin, den Innovationsschub der Corona-Krise zu nutzen, um die Digitalisierung voranzutreiben und die eigenen Leistungen weiter an aktuelle Bedürfnisse anzupassen „Die Modernisierung der Software ist wichtig“, betonte Matthias Bongarth. Es sollte „alles online sein, was möglich ist“, und höchste Maßgabe sei, so Johann Bizer: „Technik muss Nutzen bringen“. Darüber hinaus betonten die Diskussionsteilnehmer, dass das vergangene Jahr gezeigt habe, dass Kooperation möglich und nötig ist, sowohl mit Partnern in der Privatwirtschaft wie auch ganz besonders zwischen den Rechenzentren und IT-Dienstleistern.

In seinem Abschlussstatement betonte Lars Hoppmann noch einmal, dass die öffentlichen IT-Dienstleister die „sichere, performante und stabile Basis für die digitale Transformation der Verwaltung“ bilden. Als ein wichtiges Signal der Regierung für diese zentrale Aufgabe, die jetzt anstehe, wertete er das Onlinezugangsgesetz, das Engagement und die Finanzierung freisetze. Gleichzeitig vermisse er aber organisatorische und strukturelle Richtlinien, um die Services der Verwaltung der Bürgerschaft und den Unternehmen effektiv zugänglich zu machen.

Interessierte können eine Aufzeichnung der Diskussion im Internetauftritt „Digitaler Staat“ nachverfolgen:
https://www.digitaler-staat.online/2021/01/21/betrieb-oeffentlicher-rechenzentren-erfahrungen-und-lehren-aus-der-corona-krise/