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08.01.2021

Der Behördenspiegel im Gespräch mit Lars Hoppmann

Die Zusammenarbeit zwischen kommunalen IT-Dienstleistern

Um Deutschlands IT-Landschaft auszuweiten und die Digitalisierung voranzubringen, empfiehlt es sich für Bund, Länder und Kommunen mit IT-Dienstleistern wie dem Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) zusammenzuarbeiten. krz-Geschäftsleiter Lars Hoppmann erläuterte dem Podcast Team des Behördenspiegels in einem Interview zu diesem Thema, warum und wie interkommunale Zusammenarbeit die Digitalisierung vorantreibt.

 

Bewertung des aktuellen Standes der Zusammenarbeit Kommunaler IT-Dienstleister:

Lars Hoppmann erklärte, dass jeder IT-Dienstleister für sich bereits seit vielen Jahren ein gutes Beispiel für kommunale Zusammenarbeit ist. Früher stand primär die gemeinsame Softwareentwicklung im Vordergrund, auch wenn natürlich jeder versucht hat, seine eigenen Entwicklungen an die Kundschaft heran zu bringen.

In den letzten drei, vier Jahren haben die kommunalen IT-Dienstleister sich allerdings auf einen neuen Weg gemacht, um wieder stärker zusammenzuarbeiten. Aufgrund des großen Angebotes ist es zwar schwieriger, die Übersicht zu behalten, doch es stellt auch eine große Chance dar, die Digitalisierungsthemen mit den besten Projekten erfolgreich voran zu bringen.

Dabei betonte Lars Hoppmann vor allem das Erfolgsmodell des KDN, den Dachverband der Kommunalen IT Dienstleister in NRW. Als Hauptansprechpartner für Digitalisierungsbemühung sorgt dieser dafür, dass die Digitalisierung letztlich bei den Bürgern ankommt.

 

In diesem Zusammenhang war das Podcast-Team besonders an aktuellen, gemeinsamen Projekten des krz mit anderen kommunalen IT-Dienstleistern interessiert:

Für das krz hat aktuell besonders die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) einen hohen Stellenwert, bei dem es vor allem darum geht, mit dem Land NRW und den kommunalen IT-Dienstleistern des Bundeslandes gemeinsame Standards abzusprechen und Kompetenzen zu bündeln. So müssen nicht alle IT-Dienstleister an denselben Projekten arbeiten, sondern können sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren, um einander gemeinsam voranzubringen.

Dabei geht es darum, die OZG-Mittel zielgerichtet einzusetzen und im Idealfall auf vorhandene Lösungen aufzubauen und diese weiter zu entwickeln, anstatt immer neu anzufangen. Dadurch werden auch die Investitionen der kommunalen Eigentümer geschützt.

Als Beispiel für dieses Vorgehen nannte Lars Hoppmann das gemeinsame Vorantreiben des bundesweiten E-Government-Projektes AMTSHILFE.net durch den KDN und das krz. Die Anwendung für den digitalen Austausch von Amtshilfeersuchen in der Vollstreckung ersetzt nach und nach die postalische Vorgehensweise. Mit dem alten Prozess wurden nämlich viele Ersuche verzögert oder gingen sogar verloren, während sie jetzt schnell und sicher auf digitalem Wege übermittelt werden können. Das krz ist derzeitig federführend in der Digitalisierung dieser Prozesse, sowohl im eigenen Verbandsgebiet, als auch in einigen anderen Bundesländern.

 

Im Anschluss erkundigte sich der Interviewer nach Bereichen, in denen die zukünftige Zusammenarbeit noch vorangetrieben werden kann:

Als wichtigste Aspekte zur Förderung der Zusammenarbeit betonte Lars Hoppmann die Sprach- und Handlungsfähigkeit der kommunalen IT-Dienstleister, die landesweit organisiert und bewiesen werden müssen. Für die Sprachfähigkeit ist die Bundesarbeitsgemeinschaft Vitako bereits ein wichtiges Projekt, denn sie bietet eine Plattform auf der ein gemeinsames Verständnis geschaffen wird und gemeinsame Projekte in Angriff genommen (koordiniert?) werden.

Die Handlungsfähigkeit der IT-Dienstleister hingegen muss durch das Schaffen von Entitäten bewiesen werden, mit denen Absprachen und Verträge geschlossen werden können. Lars Hoppmann sieht dabei die Genossenschaft der ProVitako als sehr förderlich an, da sie einen gemeinsamen Einkauf der kommunalen IT-Dienstleister realisiert, etwa bei der Beschaffung digitaler Endgeräte für die Schulen in NRW. Auch die Genossenschaft govdigital dient dazu, dass die kommunalen IT-Dienstleister gemeinsam Infrastrukturen betreiben und sich öffentliche Betreiber zusammentun, um ein gemeinsames Angebot an Diensten und Leistungen zu realisieren.

Für die Zukunft sieht Lars Hoppmann es als besonders wichtig an, dass die IT-Dienstleister Plattformen anbieten, um organisiert und strukturiert zusammenarbeiten zu können, denn die Digitalisierung in Deutschland kann nur durch erfolgreiche Zusammenarbeit vorangetrieben werden.

Das Interview kann auf dem Public Sector Podcast vom 22. Dezember nachgehört werden.

https://www.behoerden-spiegel.de/2020/12/22/public-sector-insider-folge-62/

Quelle: https://www.behoerden-spiegel.de/2020/12/22/public-sector-insider-folge-62/