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27.08.2019

In der Rolle des Bürgers

Mit Design Thinking praxisnah und agil alltägliche Probleme lösen

Spielerisch und kreativ an eine alltägliche Themenstellung herantreten, um in möglichst diversen Teams interdisziplinär an einem Lösungsansatz zu arbeiten: Das ist der Grundgedanke der Design Thinking-Methodik. Dieser Ansatz ist nicht erst seit dem heutigen Tage eine populäre Vorgehensweise im Bereich der Ideen- und Innovationsfindung:

Hierbei rücken insbesondere die Anwender der Prozesse und Services einer Organisation in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Bedürfnisse und Erwartungen der Nutzenden werden analysiert sowie konstruktiv diskutiert, um sich möglichst intensiv in die Rolle des Anwenders hineinversetzen zu können.

Wurde dem Kunden früher eine möglichst ausgereifte Lösung final präsentiert, ist es heute in vielen Bereichen gängige Praxis, die Nutzerinnen und Nutzer bereits in frühen Stadien der Produktentwicklung miteinzubeziehen, um frühzeitig maximales Kundenfeedback zu erhalten. Dies fließt dann in die Weiterentwicklung mit ein und kann somit sehr praxisnahe Ergebnisse ermöglichen!

Im Rahmen des diesjährigen IT Camps für IT-interessierte Schülerinnen und Schüler wurde ein knapp zweistündiger Design Thinking Workshop im krz durchgeführt. Die 13 Teilnehmerinnen wurden in drei Klein-Gruppen eingeteilt, die anschließend unterschiedliche Aufgabenstellungen aus der täglichen Verwaltungspraxis bearbeiten sollten und zwar unter der Maßgabe des Design Thinking.

Die drei Prozesse, die sie betrachten sollten waren: Der klassische Führerscheinantrag, die Beantragung eines Personalausweises sowie die Meldung eines Bürgeranliegens. Drei Dozenten aus dem Geschäftsbereich Digitalisierung – Jonas Linde, Jan-Hendrik Reese und Irina Fuchs – begleiteten die bunt zusammengewürfelten Teams bei dem interaktiven Workshop.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Methode Design Thinking ging es dann an die praktische Umsetzung:

Um möglichst praxisnah zu arbeiten, wurden vorab Szenarien aus dem realen Alltag erstellt und in eine Aufgabenstellung umgewandelt. Aus der Aufgabenstellung können in den darauffolgenden Schritten somit Ziele zur Problemlösung aufgestellt werden, wie beispielsweise einen Vorgang „digital“, „zeitsparend“ und „mobil“ abwickeln zu können.

Abgeleitet von den Zielen wurde eine Person beschrieben, die den prototypischen Nutzer des Anwendungsfalles charakterisiert. Die Jugendlichen konnten hier ihre Kreativität einbringen und den Anwendenden in Person eines jungen Bürgers oder einer jungen Bürgerin detailliert darstellen, um deren Wünsche und Bedürfnisse möglichst genau identifizieren zu können.

Die Dozenten des krz vermittelten den Teilnehmenden ergänzend die aktuellen Ist-Abläufe zu den Aufgabenstellungen in den Behörden. Ziel war es an dieser Stelle, diese Abläufe zu prüfen und in einen digitalen Weg zu überführen, der möglichst stringent und transparent ist. Diese entwickelte Prozesskette wurde dann final in einen „Mini-Prototyp“ überführt – mit den unterschiedlichsten Hilfsmitteln wie Stift und Block oder iPads wurde projektiert, gezeichnet, und designt. Schließlich präsentierten die Schülerinnen und Schüler in jeweils fünfminütigen Sessions ihre ideale Lösung und den dazugehörigen Arbeitsweg.

Das allgemeine Fazit: Die zwei Stunden Design Thinking haben sich für die Teilnehmenden und auch die Dozenten definitiv gelohnt. In der abschließenden Feedbackrunde wurde schnell klar, dass vor allem das Hineinversetzen in den Hauptanwender sowie die kreative Herangehensweise bei den Jugendlichen großen Anklang fand. Aber auch die Dozenten fanden durch die Umsetzung des Design Thinkings zu dem klaren Resümee, dass es am effektivsten ist in der Produktentwicklung immer wieder neue Maßstäbe anzusetzen und unterschiedliche Methoden anzuwenden.

Quelle: hpi-academy