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03.07.2019

Das kleine krz-Wörterbuch (39)

Gegen den AKÜFI oder Wofür steht KI?

AKÜFI oder Abkürzungsfimmel, ist eine weit verbreitete, besonders am Arbeitsplatz auftretende Krankheit. Oft entsteht sie als natürliche Folge von fachlicher Durchdringung und Sprachrationalisierung. Symptome: Scheinbar wahlloses Auftreten von Buchstabenkombinationen und grassierender Verlust von ganzen Worten als Substantiven. Geht oft mit augenfälliger Großschreiberitis einher. Der AKÜFI kann leicht mit Maulfaulheit verwechselt werden. Wirkt ausgrenzend und führt im Endstadium zu vollständiger Unverständlichkeit.

 

Das krz hat etwas dagegen. Unsere Auflösung kommt dieses Mal aus einem Teilgebiet der Informatik.

 

Wofür steht KI?

 

(Quelle: Lexikon der Neurowissenschaft)

 

KI ist das Akronym für die Künstliche Intelligenz (im Englischen artificial intelligence [AI]) und bezeichnet ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Erforschung von Mechanismen des intelligenten menschlichen Verhaltens sowie dem Maschinellen Lernen befasst. Die Künstliche Intelligenz bezeichnet also den Versuch, bestimmte Entscheidungsstrukturen des Menschen zu imitieren, indem ein Computer so programmiert wird, dass er relativ eigenständig Probleme bearbeiten kann.

Der Begriff "künstliche Intelligenz" wurde von dem amerikanischen Informatiker John McCarthy (*1927) erfunden. Er gebrauchte ihn in der Überschrift eines Projektantrags für eine mehrwöchige Konferenz, die im Jahr 1956 im Dartmonth College in den USA stattfand. Bei dieser Veranstaltung wurden Programme vorgestellt, die Schach und Dame spielten, Theoreme bewiesen sowie Texte interpretierten. Obwohl der Begriff seitdem in Forschung und Entwicklung verwendet wird leidet die allgemeine Definition der KI darunter, dass die Begriffe "Intelligenz" und "intelligentes menschliches Verhalten" selbst noch nicht genau präzisiert sind. Paradoxerweise ist das Hauptziel der künstlichen Intelligenz dadurch die eigene Definition.

Entscheidend für die KI war der Aufsatz "Computing Machinery and Intelligence", den der britische Mathematiker A.M. Turing (1912-1954) im Jahr 1950 schrieb. Er stellt darin die Frage, wie man feststellen könne, ob ein Programm intelligent sei. Intelligenz definiert er dabei als "die Reaktion eines intelligenten Wesens auf die ihm gestellten Fragen". Dieses Verhalten kann durch einen Test, den inzwischen bekannten Turing-Test festgestellt werden. Eine Testperson kommuniziert dabei über ein Computerterminal mit zwei ihr nicht sichtbaren Partnern, einem Programm und einem Menschen. Kann die Testperson bei dieser Kommunikation nicht zwischen Menschen und Programm unterscheiden, wird das Programm als intelligent bezeichnet. Die dabei gestellten Fragen können aus einem beliebigen Gebiet stammen; wird das Gebiet jedoch eingeschränkt, so spricht man von einem eingeschränkten Turing-Test. Ein eingeschränktes Gebiet könnte z.B. medizinische Diagnose oder das Schachspielen sein. Eine Kritik des Turing-Tests ist jedoch, dass die Wahrnehmung dabei unberücksichtigt bleibt. Die meisten Forscher, die Programme schreiben, um intelligentes Verhalten nach dem Turing-Test zu imitieren, konzentrieren sich kaum auf die Wahrnehmung, sondern eher auf symbolische Wissensrepräsentation, die die Umwelt beschreiben soll. Sie schreiben Programme, die für konkrete Probleme die besten Lösungen finden, anstatt einen "allgemeinen Problemlöser" zu schaffen.

So hat sich die KI in den letzten 20 Jahren von den Vorstellungen des Science-Fiction Roboters entfernt. Stattdessen ist sie nun unauffällig in zahlreichen Alltagsbereichen im Einsatz. Die Partnervorschläge von Dating-Webseiten, Empfehlungen auf Video- und Musikstreaming-Plattformen oder personalisierte Inhalte in der Werbung werden genauso von einer KI gesteuert, wie der Chatbot eines Unternehmens. Mit dem GovBot stellt das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) solche intelligenten Assistenten auch für Behörden zur Verfügung. Das System wurde speziell für den Öffentlichen Sektor entwickelt und beantwortet Fragen zu Zuständigkeiten und Unterlagen oder hilft beim Ausfüllen komplizierter Formulare. So erhalten die Bürger schnelle Antworten auf zahlreiche Standardfragen, die ansonsten mit erheblich mehr Zeitaufwand für die Fragesteller und die betroffenen Mitarbeiter verbunden wären.

Quelle: https://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/kuenstliche-intelligenz/6810