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12.10.2017

Artikel in "der gemeinderat" zum Thema Infrastruktur

Zeit für neue Sichtweisen

Mit der „Digitalen Revolution“ tritt der Einsatz von Informationstechnik in den Rathäusern in eine neue Phase. Das erfordert eine andere Zusammenarbeit der Kommunen und ihrer IT-Dienstleister. Arbeits- und Organisationsprozesse sind neu zu definieren, weitreichende Kooperation muss selbstverständlich werden.

Die kommunale IT-Landschaft ist bundesweit heterogen aufgestellt.Die Strukturen reichen von zentraler Unterstützung durch große IT-Dienstleister in Bayern und Hessen bis hin zu einer Vielzahl kleiner und mittelgroßer Dienstleister wie im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Als Anfang der 1970er-Jahre die kommunalen Rechenzentren entstanden, waren es vor allem die großen Städte, die Datenverarbeitung in eigener Regie durchführten. Kreise und kreisangehörige Kommunen begannen früh damit, Gebietsrechenzentren gemeinsam aufzubauen. So entstanden erste Beispiele für erfolgreich praktizierte kommunale Zusammenarbeit in der Datenverarbeitung.

In einer sich Anfang der 1990er-Jahre deutlich verändernden IT-Landschaft vom Großrechner hin zu modernen Client- Server-Verfahren mussten sich viele Kommunen und kommunale IT-Dienstleister neu aufstellen. Die Nutzung lokal installierter Programme war oftmals einfacher und flexibler als die damaligen Großrechner-Lösungen.

Erste internet-basierte Dienste gaben dann den Kommunen mehr Optionen zur Wahrnehmung ihrer IT-Aufgaben. Dies führte zu starken Dezentralisierungstendenzen – weg vom Rechenzentrum, hin zu einer eigenen IT-Infrastruktur im Rathaus der jeweiligen Kommune.

Arbeitsprozesse neu definieren

Heute erfordern jedoch die gravierenden Veränderungen, vor denen die Kommunen stehen, eine neue Sicht auf die Informationstechnik. Als Herausforderungen, die diesen Blickwechsel erforderlich erscheinen lassen, sind unter anderem demografische Faktoren, veränderte Kommunikationsstrukturen sowie der Wissenserhalt und -ausbau in den Verwaltungen zu nennen.

Die „Digitale Revolution“ verändert die Arbeitswelten und Kommunikation, was sich sowohl auf die Kommunalverwaltung, die Kommunalpolitik und auf die Bürger als auch auf Industrie und Gewerbe auswirkt. Hier einen zeitgemäßen und zukunftsweisenden Umgang miteinander zu finden, erfordert in den Kommunen eine neue Definition der Arbeitsprozesse.

Es ist an der Zeit, die sektorale und isolierte Betrachtung einzelner Fachbereiche aufzugeben. Die Digitalisierung ermöglicht es, Aufgaben neu zu betrachten und inhaltliche, organisatorische, fachliche und finanzielle Aspekte in ihrer Vernetzung abzubilden. Drei Beispiele seien hier genannt:

  • Die lebensnotwendige Grundversorgung der Bürger hängt inzwischen von einer funktionierenden IT ab. Der Aufbau einer auch im Eintrittsfall belastbaren kritischen Infrastruktur (KRITIS) und die sichere technische Versorgung der Rathäuser und Kreishäuser sowie des Schul- und Leitstellenbereichs stellen immense Herausforderungen für Kommunen und kommunale IT-Dienstleister dar.
  • Im Datenschutz- und IT-Sicherheitsbereich ist es angesichts immer raffinierter werdender Cyber-Attacken oftmals nicht länger möglich, vor Ort in den Verwaltungen aus eigenen Kräften die notwendigen Schutz- und Abwehrmaßnahmen zu planen und durchzuführen. Hier wird es zu einem Zusammenrücken von staatlichen und kommunalen Verantwortungsträgern kommen (müssen).
  • Der Ausbau einer flächendeckenden „echten“ Breitbandinfrastruktur via Glasfaser muss schnellstmöglich vollzogen werden. Digitale Verwaltungsdienstleistungen gegenüber Bürgerschaft, Wirtschaft und Verwaltung, aber auch die interkommunale Zusammenarbeit selbst sind für die von den prosperierenden Ballungsräumen mittlerweile entkoppelten Flächenregionen existenziell zur Sicherstellung gleicher Arbeits- und Lebensbedingungen.

Insbesondere die gegebene Trennung zwischen zentraler Unterstützung durch kommunale IT-Dienstleister und einer örtlichen Komplementärlösung ist neu zu betrachten, dies auch besonders aus wirtschaftlicher und sicherheitstechnischer Sicht. Die kommunalen IT-Dienstleister sind heute technisch und organisatorisch in der Lage, die komplette Infrastruktur einer Vielzahl kommunaler, bislang in Eigenregie betriebener Anwendungen, aufzunehmen. Dabei ist sorgfältig auszuloten, welche Gestaltungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten für die Kommunen weiterhin unabdingbar sind. Diesen Prozess der „Arbeitsteilung auf Augenhöhe“ gilt es noch weiter voranzutreiben.

Die Bildung von Kompetenzcentern unter Erhalt der regionalen Betreuungsaufgaben mit dezentralen Standorten wird ein entscheidender Faktor sein, um die kommunale IT gesamtheitlich weiterzuentwickeln.

Der anstehende Paradigmenwechsel erfordert von allen Beteiligten – sowohl von der Belegschaft der Kommunen als auch von den Mitarbeitern der IT-Dienstleister – eine ausgesprochen hohe Veränderungsbereitschaft. Neben der technischen und rechtlichen Expertise müssen zunehmend Prozess- und Organisationskenntnisse ausgebaut und miteinander verschmolzen werden. Informationstechnik muss als Basis für die organisatorische Weiterentwicklung der kommunalen Verwaltungen im Sinne des Gemeinwohls verstanden werden.

IT-Wissen allein reicht nicht

Für die kommunalen IT-Dienstleister heißt das, sich von einem Betreiber kommunaler Fachverfahren zu einem Digitalisierungspartner der Kommunen für alle inneren und äußeren Vorhaben wie zum Beispiel Bürgerportale, Open Government und Dokumentenmanagement-Systeme zu entwickeln. Eine technische und fachliche IT-Expertise reicht hierfür nicht mehr aus; die prozessuale und organisatorische Unterstützung muss aufgebaut beziehungsweise intensiviert werden. Dieser Lösungsansatz erfordert von allen Beteiligten persönlichen Einsatz und auch die Bereitstellung entsprechender Ressourcen.

Nur zusammen und auf Augenhöhe kann es Kommunen und kommunalen ITDienstleistern gelingen, die bevorstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Langfristig ist der gemeinsame Ansatz der einzig sichere und wirtschaftliche Weg, die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können. Nur so lassen sich die Aufgaben, die sich aus den Anforderungen insbesondere der Bürger, der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, des Bildungsbereichs sowie der Wissenschaft und der Medien ergeben, im Sinne des Gemeinwohls meistern.

Die Veröffentlichung erfolgte mit freundlicher Genehmigung von "der gemeinderat"

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Lars Hoppmann
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