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22.06.2020

Die Corona-Warn-App

Per Smartphone die Pandemie eindämmen

Die Bundesregierung hat am Dienstag dem 16. Juni die Corona-Warn-App veröffentlicht, die nach nur 24 Stunden bereits von über 6,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzern in Betrieb genommen wurde.

Mit der Applikation sollen die Infektionsketten des Coronavirus in Deutschland besser nachverfolgt und schließlich unterbrochen werden. Zu diesem Zweck ermittelt die gemeinsam von SAP und der Telekom entwickelte Corona-Warn-App ob und wie lange Smartphone-Besitzer, mit der aktivierten App, sich in nächster Nähe zueinander aufgehalten haben. Über Bluetooth-LE-Signale werden dabei anonymisierte Identitätsnummern (IDs) und Entfernungsdaten ausgetauscht, um im Falle eines Krankheitsausbruches zurückverfolgen zu können, wer in Kontakt mit der erkrankten Person stand.

Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies entsprechend in der App vermerkt, meldet diese nachträglich anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Dann können die Betroffenen sich auch ohne Symptome und auf Kassenkosten auf Covid-19 testen lassen. Um der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gerecht zu werden dürfen die Kontaktdaten der Anwender dabei nicht zentral, sondern nur auf den jeweiligen Smartphones gespeichert werden.

Google und Apple sind dabei für die jeweiligen Smartphone-Systeme Android und iOS verantwortlich. Die Unternehmen haben sich dazu bereit erklärt, ihre Schnittstellen für Corona-Apps für je eine Software pro Land zur Verfügung zu stellen. Dadurch sollen die Apps von besonders vielen Nutzern installiert werden, ohne eine Vielzahl verschiedener Programme entstehen zu lassen, die im schlimmsten Fall nicht miteinander kompatibel wären. Trotzdem treten Kompatibilitätsprobleme auf, da die App auf Programmschnittstellen setzt, die Apple nur in seinem aktuellen iPhone-Betriebssystem iOS 13.5 bereitstellt. Dieses System läuft jedoch nicht auf älteren Geräten wie dem iPhone 6, 5S oder 5. Auch etliche ältere Android-Smartphones verfügen nicht über die notwendigen Google-Play-Services, mit denen der US-Konzern die Programmschnittstellen bereitstellt.

Dadurch sind es oft ältere Menschen, also gerade jene, die zur Risikogruppe gehören und am meisten von der App profitieren würden, welche die App aufgrund eines fehlenden oder älteren Smartphones nicht einsetzen können. Um diese Menschen nicht auszuschließen, will die Bundesregierung bei Apple und Google erreichen, dass die Mindestvoraussetzungen heruntergeschraubt werden.

Bei der App-Entwicklung haben die beteiligten Unternehmen einen Open-Source-Ansatz gewählt, den Quellcode der App veröffentlicht und so für ein größtmögliches Maß an Transparenz gesorgt. Da die Anwendung außerdem anonym, datenschutzkonform und auf freiwilliger Nutzungsbasis operiert findet sie weitreichenden Zuspruch, wie etwa beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom).

Die Bitkom-Mitglieder unterstützen die Corona-Warn-App mit unterschiedlichen Maßnahmen, wie dem sogenannten Zero-Rating. So soll der Datenverkehr für die Nutzung der App nicht auf das vorhandene mobile Datenvolumen von Mobilfunkkunden angerechnet werden.

Auch das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) befürwortet den Einsatz der Corona-Warn-App und ermöglicht seinen Mitarbeitern seit der Veröffentlichung die Installation und Nutzung auf dem dienstlichen Smartphone.

Quelle: t3n.de