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04.12.2019

Über 200 Teilnehmer bei Vitako Regionalkonferenz

Best Practices, neue Produkte und Dienstleistungen bereitstellen und neue Technologien ausprobieren

Vitako – die Bundes-Arbeitsgemeinschaft der Kommunalen IT-Dienstleister – freut sich über die rege Beteiligung an der bundesweit dritten Regionalkonferenz: Mehr als 200 kommunale Teilnehmer aus Baden-Württemberg informierten und beteiligten sich letzte Woche an der Veranstaltung in Stuttgart. Auf Einladung des baden-württembergischen kommunalen IT-Dienstleisters ITEOS und der Vitako kamen Vertreter der Kommunen, kommunalen Landes- und Spitzenverbänden sowie des Landes- und Bundesinnenministeriums zu einem übergreifenden Austausch zusammen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Zielsetzungen für die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes bis Ende 2022, inklusive der bereits laufenden und geplanten Digitalisierungsprojekte. Eines der zentralen Themen war auch die Digitale Souveränität.

Baden-Württembergs CIO, Stefan Krebs, freute sich, dass die Digitale Souveränität in der breiten Debatte angekommen ist. Die aktuelle Diskussion um Huawei stelle nur die Spitze des Eisbergs rund um die Basistechnologie hierzulande dar, so Krebs. „SoftwareTechnologie und -Steuerung wird in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen – Hardware wird noch wichtig sein, aber nicht mehr der entscheidende Faktor.“ Der entscheidende Faktor künftig: Software-Fachkräfte. Mit Blick auf die Landes- und Kommunalverwaltungen im Ländle unterstrich Krebs die Gründung der Digitalakademie des Landes: „Die Digitalisierung wird uns alle einholen. Wir fördern deshalb die Ausbildung von „Digitallotsen“ in allen Ebenen der Verwaltungen. Die Digitalakademie ist uns in den Jahren 2018/19 mehr als 9 Mio. Euro wert gewesen. Zusätzlich vergeben wir Prozessentwicklungsaufträge an das Zentrum für E-Government bei ITEOS.“

Der ITEOS-Vorstandsvorsitzende, William Schmitt, betonte, dass sich die ITEOS in ihrer Rolle als IT-Dienstleisterin für die baden-württembergischen Kommunen für die Digitale Souveränität der Bürgerinnen und Bürger einsetzen werde. „Es geht uns dabei nicht nur um die Beratung, sondern um eine weiterentwickelte Zukunftsvision – wir wollen Wegbereiter, Wegbegleiter sein und durch geeignete Dienstleistungen und Produkte die Entwicklung fördern, nicht zuletzt im Bereich IT-Sicherheit.“ Viele der notwendigen „Werkzeuge und Bauanleitungen“ seien bereits vorhanden, so Schmitt. Jetzt gehe es verstärkt darum, dass die Dinge in den Kommunen mit Leben gefüllt und die kommunale Selbstverwaltung damit gestärkt werden. ITEOS hat sich klare Ziele gesetzt: „Wir werden die Digitalisierung an uns selbst erproben, Best Practices, neue Produkte und Dienstleistungen bereitstellen und neue Technologien ausprobieren – nicht alleine, sondern mit Partnern.“

Dr. Jens Dietrich, Ansprechpartner für das Digitalisierungsprogramm im Bundesinnenministerium, bedankte sich bei den Teilnehmern für ihre Arbeit im Digitalisierungsprogramm und unterstrich die Notwendigkeit kommunalen Sachverstands. Vertreter aus Baden-Württemberg engagieren sich in den Arbeitsgruppen des IT-Planungsrats genauso wie in mehreren Digital-Laboren, insbesondere in den Bereichen  „Mobilität & Reisen“, „Bauen und Wohnen“, „Steuern & Zoll“ sowie „Umwelt“. Dietrich erläuterte die novellierten Organisations- und Kommunikationsstrukturen zur Umsetzung des OZG. Neben der regelmäßigen Abteilungsleiterrunde, welche die Sitzungen des IT-Planungsrates vorbereiten, treffen sich nun alle vier bis sechs Wochen die Federführer der 14 OZG-Themenfelder zum „Jour fixe“. Zudem sind 16 „OZG-Koordinatoren“ dafür zuständig, wie die Ergebnisse aus dem Themenfeldern jeweils in ihrem Bundesland umgesetzt werden sollen. Federführer und OZG-Koordinatoren kämen darüber hinaus nun zweimal im Jahr zu einem Erfahrungsaustausch zusammen – der nächste Workshop soll dazu am 12. Dezember in Berlin stattfinden.

Dr. Björn Weiße, Leiter des Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe, wies als kommunaler Praktiker in die Zukunft. „Wir haben ein digitales Bürgerbüro im Rathaus eingerichtet, in dem auf Terminals die bereits bestehenden Dienstleistungen angeboten werden. Unsere Idee ist, Bürgern die Möglichkeit zu bieten, sich in diesem Bürgerbüro an der Weiterentwicklung der Prozesse zu beteiligen.“ In anderen Worten: Ein Raum mit der notwendigen Infrastruktur samt Scanner, Drucker, eID-Lesegerät aber auch Feedback-Terminals innerhalb des städtischen Netzes. „Diejenigen, die einen hohen Anspruch an Datenschutz haben, können sich in dieser Umgebung sicher sein“, so Weiße. Auch wenn Dienstleistungen zunehmend digital würden, blieben aber auch in Zukunft Fälle mit Beratungs- und Aufklärungsbedarf. „Wir brauchen auch künftig noch einen persönlichen Bürgerservice, der wohl anders aussehen wird.“ Freiwerdende Ressourcen könnten stärker für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf eingesetzt und Strukturen und Hierarchien hinterfragt werden. Weiße: „Die Arbeit in den Behörden wird vernetzter, interdisziplinärer und agiler. Dies erfordert ein komplettes Neudenken unserer Services und letztlich einen Kulturwandel.“

„Wir sollten die Zeit dringend nutzen“, sagte Vitako-Geschäftsführer Dr. Ralf Resch mit Blick auf die aktuelle Debatte zur Digitalen Souveränität. In den kommenden drei bis vier Jahren gebe es die Möglichkeit, die bestehenden, in vielen Behörden eingesetzten Produkte weiterhin ohne Cloud-Anbindung zu nutzen. In der Zwischenzeit und danach müsse die öffentliche Hand versuchen, stärker mit einer Stimme zu sprechen. Es gilt laut Resch gegenüber den großen Software-Herstellern und einzelnen Monopolisten wirkungsvoller aufzutreten und dafür zu sorgen, dass der hierzulande gültige Datenschutz eingehalten wird. „Gerade im Umgang mit personenbezogenen Bürgerdaten muss die öffentlichen Hand sagen können, wo diese gespeichert sind – sonst haben wir ein Problem.“ Es gehe aber auch darum, Lösungen zu erzeugen, die es Behörden erleichterten, auf Alternativen umzuschwenken. Jüngst hat sich dazu eine neue Arbeitsgruppe im ITPlanungsrat gegründet. Einige Vitako-Mitglieder arbeiteten zudem an alternativen Produkten, die im Office-Bereich eingesetzt werden können. Resch unterstrich, dass es bei diesen Aktivitäten weder um Autarkie noch um rein deutsche Lösungen gehe, sondern zumindest im europäischen Kontext zu denken sei.

Vitako ist das Netzwerk der öffentlichen IT-Dienstleister in Deutschland, als Berater und Betriebspartner für Kommunen tätig sowie der zentrale kompetente Ansprechpartner für Verbände und Entscheider aller Ebenen in allen Fragen des Einsatzes von Informationstechnik im kommunalen Sektor. Das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/ Lippe (krz) zählt zu den Gründungsmitgliedern der Vitako, Geschäftsleiter Lars Hoppmann ist seit dem vergangenen Jahr Vorstandsmitglied der Bundes-Arbeitsgemeinschaft.

Quelle: VITAKO