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07.10.2019

Gefälschte Identitätsdokumente schnell erkennen

Land NRW fördert technische Unterstützung zur Kriminalitätsbekämpfung

Durch die Ausstellung einer Meldebescheinigung und den Besitz eines gefälschten Identitätsdokumentes kann der Inhaber dieser Dokumente ein Bankkonto eröffnen, einen Mobilfunkvertrag abschließen oder andere Rechtsgeschäfte durchführen, für die er dann nicht haftbar gemacht werden kann. Allein aus diesem Grunde ist es sehr wichtig, dass alle Identitätsdokumente wie Reisepass oder Personalausweis in den Ämtern schnell und sicher auf ihre Echtheit geprüft werden können. Am 24. September präsentierten Jan von Lübtow und Thomas Kohn von der Bundesdruckerei im krz Lösungen zu dieser Problematik.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bürgerämter manipulierte Ausweise zur Verfügung gestellt, mit der Bitte, die Manipulation herauszufinden. Durch fühlen, kippen und sehen prüften die Anwesenden die Dokumente. Viele Fälschungen konnten trotz der großen Erfahrung der Verwaltungsangehörigen nicht schnell erkannt werden.

Informierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommunen: (v.l.) Thomas Kohn, Bundesdruckerei, krz-Geschäftsbereichsleiter Bürgerservices Frank Sommer und Jan von Lübtow, Bundesdruckerei. 

Zu diesen Schwierigkeiten kommt in der Praxis oft noch Zeitdruck hinzu. Die Bundesdruckerei hat daher Möglichkeiten vorgestellt, wie durch technische Unterstützung, d.h. automatisiert mit einem Prüfprotokoll Ausreisedokumente, aber auch Führerscheine oder Geburtsurkunden kontrolliert werden können. Damit bei der Dokumentenprüfung eindeutige Ergebnisse erzielt werden können, bietet die Bundesdruckerei leistungsstarke Dokumentenprüfsysteme, die nahezu 1.800 verschiedene Personaldokumente aus 200 Ländern berücksichtigt und mit dem zu prüfenden Dokument schnell und zuverlässig abgleicht.

Dabei werden eine Vielzahl von Elementen untersucht: Auffälligkeiten bei den optischen oder elektronischen Sicherheitsmerkmalen werden automatisch identifiziert und kenntlich gemacht. Thomas Kohn von der Bundesdruckerei zeigte anhand von manipulierten Ausweisen, wie leicht die Lichtbilder aus den in den Ausweisen integrierten Chips ausgelesen und mit den häufig aufgeklebten Bildern verglichen werden können. Auch der Einsatz von UV oder Weißlicht bringt Manipulationen für die Beschäftigten in den Ämtern schnell an Licht. Des Weiteren ist das Erkennen der maschinenlesbaren Zone (MLZ) im Infrarotbereich (alternativ im Weißlicht) und Auslesen und Anzeigen der Daten sichergestellt. Hierdurch fallen händische Manipulationen leichter auf. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wertpapierprüfung. Hierbei wird untersucht, ob das verwendete Papier nur simples gebleichtes Papier ist oder ein Wertpapier mit entsprechenden Schutzmechanismen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten ausgewertet und ggfls. der Polizei oder anderen Stellen zur Verfügung gestellt werden können.

Täuschend echt: Gefälschte Pässe (Foto: krz)

Jan von Lübtow von der Bundesdruckerei verwies an die Stadt Hamm, die mit großer Akribie die Echtheit der Papiere überprüft. Auf den ersten Blick wurden im Jahr 2017 mit 35 Exemplaren nur eine überschaubare Zahl von Fälschungen entdeckt, doch die Einführung hat sich dennoch gelohnt, so die Neue Westfälische vom 20.04.2018: Pro gefälschtem Dokument geht man durchschnittlich von einer Schadenshöhe von 55.000 Euro aus. Bei 35 unterbundenen Fällen ist somit ein finanzieller Schaden von 1,75 Millionen Euro verhindert worden.

Für die Kommune ist aktuell die Anschaffung eines solchen Prüfgerätes mit Namen VISOTEC® Expert 800 durchaus attraktiv. Die Anschaffungskosten sowie die laufenden Kosten für die ersten Jahre werden momentan vom Land NRW übernommen. Entsprechende Anträge sind bei der Bezirksregierung über die Kreisverwaltungen zu stellen.

Vorteile dieser Lösung sind die automatische Verifikation der Sicherheitsmerkmale eines Dokumentes sowohl optisch als auch elektronisch. Durch den Updateservice werden neue Algorithmen jährlich berücksichtigt. Die Bedienung der Hard- und Software ist sehr einfach. Zudem werden Schulungen von der Bundesdruckerei angeboten, um auf die verschiedenen Betrugsfälle und -möglichkeiten hinzuweisen.

Musterdaten eines gefälschten Ausweises in der technischen Prüfung.