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04.01.2018

Digitale Rohrkrepierer


Wenn das Internet nicht ankommt

(Quelle: www.deutschlandfunk.de, 28.12.2017)

In Deutschland dürfe es kein Internet erster und zweiter Klasse geben, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits vor Jahren verkündet. In brandenburgischen Kleßen aber ist das Internet höchstens drittklassig. Damit ist der Ort nicht allein. In Deutschland gibt es noch Hunderte solcher "weißen Flecken", in denen zügiges Internet ein Wunschtraum ist. Gewerbetreibende und Anwohner in Kleßen klagen seit Jahren darüber, dass sie doppelt abgehängt sind, beim Handy und beim Internet.

Dass Menschen heute an Wirtschaft und Gesellschaft ohne zeitgemäßen Internetanschluss kaum noch teilhaben können, ist unumstritten. Die Frage ist nur: Wer muss diese Daseinsvorsorge treffen und den Anschluss an die digitale Welt sicherstellen?

Man kann es der Telekom oder anderen großen Anbietern wie Vodafone zwar übel nehmen, dass sie auf dem flachen Land kein ebenso gutes Netz schaffen wie in der Stadt. Aber private, börsennotierte Unternehmen werden Investitionen tunlichst vermeiden, wenn sie sich nicht rechnen. Der TÜV Rheinland hat ausgerechnet, dass zum Beispiel der Ausbau von Glasfaser-Verbindungen in dünn besiedelten Regionen, in denen lange Verkabelungen notwendig sind, 2.500 bis 5.345 Euro je Haushalt kosten.

Anders als auf einen Telefonanschluss besteht auf einen Internetanschluss kein Rechtsanspruch – trotz aller Lippenbekenntnisse. Die Politik hat lange darauf gesetzt, dass das Zusammenspiel aus der Nachfrage der Kunden und dem Angebot konkurrierender Internetanbieter schon ein flächendeckendes Netz gewährleisten werde. Das hat sich als Trugschluss erwiesen – was auch Politiker heute eingestehen.

"Wir haben jetzt in den letzten Jahren festgestellt, dass der Markt offenbar nicht in der Lage ist, einen Teil Deutschlands – nämlich vor allem die ländlichen Regionen - mit schnellem Breitband zu versorgen. Und deshalb haben wir erstmals in der letzten Legislaturperiode ein Förderprogramm gemacht, und zwar gleich mit viereinhalb Milliarden Euro, um Lücken im ländlichen Raum zu schließen."

Sagt Thomas Jarzombek, Sprecher für die Digitale Agenda der Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Wenn von schnellem Breitband die Rede ist, bedeutet das eine Übertragungsleistung von 50 Mbit pro Sekunde. Gleichzeitig übers Internet in HD fernzusehen, zu telefonieren und im Netz zu surfen, ist damit kein Problem.

Derzeit sind hierzulande gut Dreiviertel aller Haushalte mit solchen Breitbandleitungen ausgestattet. Das ermittelte der TÜV Rheinland im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, das die Ergebnisse in einem sogenannten Breitbandatlas festhält. In den häufig abgehängten ländlichen Gemeinden verfügen lediglich rund 40 Prozent der Haushalte über schnelle Leitungen.

Die Lage ist womöglich noch schlechter, denn der TÜV baute auf freiwillige Angaben von Unternehmen. Kritiker nennen den Breitbandatlas deswegen schon mal einen "Schönwetteratlas". Wenn es in einer Kommune kein schnelles Netz gibt und auch kein Anbieter in Sicht ist, der es in den kommenden Jahren anbieten will, spricht man von Marktversagen. Dann kann die unterversorgte Kommune finanzielle Förderung des Bundes beantragen. Aus Expertensicht vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe kommt es zukünftig nicht nur darauf an, Menschen überhaupt mit Breitband zu versorgen, sondern dafür auch eine Technik zu wählen, die in ein paar Jahren nicht schon wieder überholt ist.

Diese Einsicht hatten auch die Unionsparteien, die Grünen und die FDP in ihren gescheiterten Sondierungsgesprächen für eine gemeinsame Regierungskoalition. Die Parteien wollten für den Netzausbau bis zum Jahr 2025 20 Milliarden Euro investieren und hatten als Ziel eine Verbindungsgeschwindigkeit von einem Gigabit pro Sekunde ausgegeben, also 1.000 Mbit, das Zwanzigfache des heutigen Ziels. Tabea Rößner, Sprecherin für Medien, Kreativwirtschaft und digitale Infrastruktur der Grünen-Bundestagsfraktion, spricht von einer Entscheidung pro Glasfaser. Sie hofft, dass auch Union und SPD sich daran halten werden.

"Es ist wichtig, dass wir jetzt ganz massiv in Glasfaser investieren müssen, das ist eine zukunftsfähige Investition. Weil die Daten sich ja immer noch stärker vermehren werden. Und um tatsächlich zukunftsfähige, leistungsfähige Infrastruktur aufzubauen, müssen wir auf Glasfasertechnologie setzen."

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Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/ 
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